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Voigtländer 21mm / 1:1,4 Nokton asphärisch VM - eine Hassliebe

  • Autorenbild: Sven Edel
    Sven Edel
  • 19. Juli 2023
  • 5 Min. Lesezeit

Es ist August 2022. Seit gut einem Jahr habe ich zu diesem Zeitpunkt annähernd ausschließlich mit Leica M fotografiert. Das erste halbe Jahr "zum testen" mit einer M262. Mit dieser abgespeckten, oder wie das Marketing sagt "auf das Wesentliche reduzierte" Variante der M240 konnte man sich an den Messsucher gewöhnen und für - für Leica-Verhältnisse - kleines Geld versuchen, ob diese Art der Fotografie passt. Die M hat nunmal keinen Autofokus, ohnehin kaum Funktionen, die über ISO, Blende und Zeit hinausgehen, was die Menüführung angeht ist sie quasi das Antonym zu Sony und im Ergebnis so völlig anders als die Kameras, die ich bislang hatte. Es hat allerdings gepasst, selbst das Scharfstellen geling mit jedem Bild besser und so wich die M262, das Testexemplar, die eben eine M240 ohne Liveview und ohne Videofunktion ist, nach einem Dreivierteljahr der M10., die ein wenig besser in Lowlight ist, Liveview hat, auf den ich bei meiner Hauptkamera dann doch nicht verzichten wollte und - und das war der wesentliche Grund - sie fasst sich so viel schöner an 😍. Wer ein wenig im Thema ist, weiß, dass die ersten digitalen Ms etwas übergewichtig waren und mit der M10 der Formfaktor der analogen Ms wie der M6 wiedergewonnen wurde.


So, das war jetzt ein halbwegs ausführliches Vorgeplänkel, obwohl in der Überschrift "Voigtländer 21mm / 1:1,4 Nokton asphärisch VM" steht. Wozu also dieses Vorgeplänkel? Um darzustellen, dass ich seinerzeit auf der Suche nach einem (Ultra-)Weitwinkel, also 21mm oder weiter, für die M war, da mir beispielsweise Landschaftsfotos gefehlt hatten. Oder auch einfach dieser spezielle Look, den Ultraweitwinkelaufnahmen so mit sich bringen.


Nun standen also folgende, wenige Punkte im Lastenheft, die den Weg zum Traumweitwinkel erfüllen sollten:

  • 21mm oder weiter

  • ausreichende Abbildungsleistung für Landschaftsfotos (also zumindest abgeblendet scharf bis in die Ecken 😎)

  • gerne offenblendig, also eine 1 vor dem Komma - nicht gerade nötig für Landschaften, aber hey, haben ist besser als brauchen

  • Preis: maximal 1.300,- €, da es sicherlich keine Immerdrauflinse wird

Da Leicalinsen schon aufgrund des preislichen Spielraumes von Anfang an ausschieden, standen noch die anderen, üblichen Verdächtigen im Raum: Voigtländer, Zeiss, TTArtisans und 7Artisans; ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Notiz am Rande: Das Leica-Pendant liegt bei weit über 7.000,- €, wenn man es neu kauft und auch gebraucht in Regionen von um die 5.000,- € 🤑.


Ja, bei Leica könnte man für das Geld das Super-Angulon oder auch das 21er Elmarit bekommen. Das Super-Angulon war mir schlicht zu alt (Baujahr bis 1963), mit Risiko lila Ränder und das 21er Elmarit - sorry Leica - ist einfach hässlich 😅. TTArtisans und 7Artisans fielen ebenfalls raus, ohne hierzu weitere Gründe nennen zu können. Die beiden waren einfach nicht auf meinem Schirm. Wobei hier sicherlich spannend zu beobachten bleibt, wohin sich deren Reise entwickelt. Furchtbar schlecht scheinen die Objektive nicht zu sein. Zum Zeiss Biogon 21 f 2.8 las ich, wie beim Super-Angulon, von lila Rändern. Die lassen sich zwar gut korrigieren, das heißt aber auch, dass man grundsätzlich korrigierend eingreifen muss. Darauf hatte ich keine Lust, vor allem deshalb, weil es im Hause Voigtländer einige Alternativen gab (und gibt):

  • Nokton 21mm f 1.4

  • Ultron 21mm f 1.8

  • Color Skopar 21mm f 3.5

  • Color Skopar P-Typ 21mm f 4.0

Aufgrund des Spleens für Offenblenden war das Color Skopar P-Typ 21mm f 4.0 von Beginn an raus. Und da auch die Optik für die Optik wichtig ist, ebenfalls das f 1.8 mit seiner fest verbauten Gegenlichtblende, die an dieser Stelle als "Geschmacksache" in die Ecke gestellt wird.


Blieben also das f 1.4 und das f 3.5, letzteres zu diesem Zeitpunkt fast brandneu auf dem Markt und durch die Bank weg gut abgeschnitten. Dazu noch kompakt und leicht, also Tugenden, die super gut zur M10 passen. AAAAAAAAAAABER: nur f 3.5 😐


Somit wurde also bei Karl-Heinz von dasfotoforum.de angerufen und um ein Testexemplar des Nokton 21mm f 1.4 gebeten 😬. Keine drei Tage später kam dann der Anruf: "Komm rum, et is da". Ein außerordentlich toller Service, den Karl-Heinz anbietet! Denn bei einem Objektiv für fast 1.300,- € sollte schon sehr viel passen, nicht nur die Bildqualität. Nicht richtig im Laden hatte ich auch schon das Testexemplar von Voigtländer in der Hand und dann an der M10. Wahnsinn, was ein Brocken. 480g sind an der 660g schweren - oder leichten - M schon eine Ansage. Und nicht nur das Gewicht fällt negativ auf. Die Einheit aus Body und Objektiv ist weit ab von der Handlichkeit, für die man sich (auch) beim Umstieg auf das Wetzlarer Messsuchersystem entscheidet. Zwei im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige Punkte, die gegen das Nokton sprechen.


Das erste Bild vor dem Fotoforum in Andernach war allerdings überzeugend:


Diese Abbildungsleistung bei Offenblende (1.4!) und zeitgleicher Freistellung gefiel, nein: gefällt, mir richtig, richtig gut. Die Details und der vielbeschworene Mikrokontrast sind meiner Meinung nach perfekt. "Perfekt"... sicherlich ein Wort, das man nicht allzu inflationär benutzen sollte. Ich tue es nicht!


Und trotzdem ist schon beim Erstkontakt ein Gefühl dabei, dass es nicht so recht passt. Karl-Heinz, Verkäufer durch und durch sagt: "nimm es doch einfach mit und schick es selbst zurück zu Voigtländer, dann kannst du noch ein paar Tage probieren". Das hatte ich dann auch getan. Es blieb dabei, klasse Bildergebnisse, schöner Look und ein Backstein an der Kamera.


Somit ging das Nokton erstmal zurück zu Voigtländer und mein Dank zu Karl-Heinz, dass er mir die Möglichkeit eröffnet hatte das gute Stück zu testen. Auf die Frage, weshalb ich mich dann gegen das Objektiv entschieden habe, kamen die beiden gewichtigen Gründe: zu schwer, zu unhandlich. Er hatte natürlich ein schwergewichtiges Argument, was für einen etwaigen Kauf sprechen konnte: die Abbildungsleistung. Ja, er hatte Recht. Und ja, ich war unentschlossen. Also lies ich meinen Händler des Vertrauens mal ein Angebot machen, in der Hoffnung, dass das Angebot der UVP entsprach und damit - zumindest kurzfristig - nicht zu interessant wäre. Pustekuchen. Das Angebot war,... sagen wir mal sehr gut. Er hatte mich. Er weiß, dass ich Zahlenmensch durch und durch bin und dies der Tropfen war, der darüber entscheiden sollte, ob ich zuschlage oder nicht. Ich hatte zugeschlagen!


Kaum war das Objektiv dann mein und daheim, so blieb es auch im großen und ganzen dort: daheim.


Shit.


Und die Gründe dafür sind klar: zu schwer, zu unhandlich. Im September 2022 hatte ich das Objektiv mit auf der Caravan, dieser Messe für Wohnmobile, Wohnwagen, usw. Es war ein Graus. Trotz Eddycam, der zumindest das Gewicht der Kombi gut kaschierte, lag ebendiese Kombi nicht gut in der Hand. Dadurch machte das Handling nicht den bekannten Spaß, wie bei meinen anderen Objektiven, die nicht nur von Leica sind, sondern in Teilen auch von Voigtländer (u.a. das 90mm f 2.8). Und das Ergebnis: es werden Motive auf der Seite liegen lassen, es wird schlicht weniger fotografiert.





So ging es dann über Monate bis in den Sommer diesen Jahres, 2023. Zu ganz wenigen Ausflügen wurde das Nokton 21mm tatsächlich mitgenommen, zum Beispiel in das DB Museum in Koblenz oder auch in unseren Herbsturlaub (wo es jedoch zumeist im Wohnmobil im Schrank rumlag...).


Bei der Suche nach Bildern für diesen Artikel hat sich das Gefühl dann auch bestätigt: in meinem Lightroom-Bilderarchiv finden sich fast keine Bilder. Nichtmal, dass sich keine passenden Bilder finden. Nein, es finden sich kaum Bilder, die mit dem Nokton gemacht wurden. Die, die gemacht wurden gefallen mir gut, hier mal zwei weitere Beispiele:


Sonnenuntergang in Kroatien im Oktober 2022


Leitz Park Fest 2022


AAAAABER: braucht man für diese Bilder eine Blende von 1.4??? Nein.


Somit fand das 21er dann im Juni 2023 den Weg in die Kleinanzeigen, um nach einem Fotografen zu suchen, der die Qualitäten des Nokton auch nutzen wollte. Und dieser fand sich, wider Erwarten, wirklich schnell. Somit ist das Objektiv mit Adapter auf einer Lumix Vollformatkamera unterwegs, die im Wesentlichen zum Filmen genutzt wird.


Und nun? Nun stehe ich, was Weitwinkel angeht, wieder da, wo ich vor knapp über einem Jahr schon war. Nur, dass ich jetzt weiß, was hierbei noch mehr zählt als Offenblende... es schreit doch viel nach dem Color Skopar 21mm f 3.5... 😊

edel - wie fein

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