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Nagel im Kopf

  • Autorenbild: Sven Edel
    Sven Edel
  • 23. Feb.
  • 6 Min. Lesezeit

"Meine geistig moralischen Mechanismen sind mysteriös und komplex." (Patrick Star)


Anders lässt sich der Kauf eines 50mm Objektives mit f0.95 kaum rechtfertigen...


Das is dann wohl die Ausgangssituation, bevor man ein fast 800g schweres 50mm Objektiv für die M kauft, das scheinbar (?) kaum was besser kann als das schon vorhandene 50er Summilux.


Das 0.95 ist ein dickes, fettes Objektiv und unterstreicht damit nicht so recht die Tugenden von M-Gläsern, also kompakt und (halbwegs) leicht zu sein.


Zu Beginn eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse, die mich zum 0.95 brachten. Oder das 0.95 zu mir? Wie dem auch sei... Also:


Was bisher geschah:


Das 0.95 gehört ziemlich sicher zu den Objektiven, die auch Nicht-Leica-Nutzern bekannt sind. So erging es zumindest mir. Ich wusste noch zu meinen Nikon-Zeiten, dass es ein Objektiv gibt, dass eine Blende > 1 hat. Verrückt, dachte ich mir seinerzeit, wer braucht sowas und sieht man da überhaupt noch einen Unterschied zu lichtstarken Objektiven à la f1.4? 0.95, das klingt doch irgendwie nach der Penisvergrößerung für Fotografen. Für mich hatte ich es in die Schublade "unsinnig" gesteckt und dort für ein paar Jahre belassen... bis ich in die glückliche Lage versetzt wurde, das Nocti selbst mal nutzen zu können...


Leitz-Park-Fest 2024:


So sollte es sich begeben, dass ich am Leitz-Park-Fest im September 2024 das 0.95 an meine M10 flanschen durfte. Der erste Gedanke, als mir Sebastian Scholz vom Store das Ding in die Hand gab, war: meine Güte ist das ein Brocken!


Laut Homepage hat das Nocti ein Gewicht von ca. 700g. Naja, nachgemessen mit dem Thermomix sind es eher 780g 😅 Die ca.-Angabe ist wirklich großzügig nach unten gerundet 😂 Nur mal so im Vergleich: das Nikkor Noct 58mm 0.95 hat ca. 2 kg (und auch keinen Autofokus). Gewisse Dinge müssen also im Vergleich gesehen werden. Das relativiert die Größe und das Gewicht doch ziemlich deutlich. Nichtsdestotrotz, für M bleibt es eines der großen und schweren Objektive.


So what, so ging es also mit der gut 1,5kg schweren Kombi aus M10 und 0.95 aufs Gelände des Leitz-Park, ein wenig testen. Und das hieß natürlich bei f0.95 zu fotografieren. Alles andere ist in meinen Augen Perlen vor die Säue. Für eine 1.4er Blende gibt es ja schon ein Summilux im Hause Edel.


Nun gab es nur ein kleines "Problemchen" an dem Tag: es war ein traumhafter Spätsommertag ohne auch nur ein Wölkchen am Himmel ☀️ da wurde es mit 1/4.000 bei 0.95 schonmal "schwierig". Überbelichtungen waren vielfach die Folge. Spoiler: Das hat sich mit der M11(-D) und ihrem elektronischen Verschluss bis 1/16.000 nun im Großen und Ganzen erledigt.


ok, ein paar Wölkchen waren am Himmel

...big fat lens!


hier sieht man die Überbelichtung, in dem Fall noch alles in Ordnung


die Freistellung hat schon ein eigenes Niveau und unterscheidet sich doch nochmal deutlich vom Summilux-M 1:1,4/50 Asph.


Zugegeben, am Abend des Leitz-Park-Festes und Sichtung der Bilder war ich nicht vom Hocker gerissen, was die Bildergebnisse anging. Rückblickend liegt es wohl daran, dass wegen des Wetters doch viele Bilder bei f2.0 und weiter geschlossen entstanden waren und das irgendwie quatsch ist, hierfür ein Objektiv zu nutzen, dass bis 0.95 aufmacht.


Eines aber blieb nach dem Fest:


Ich war angefixt 🥰


Es war schon etwas besonderes mit diesem - Achtung Buzzword - legendären Objektiv fotografieren zu können.


Nach dem Leitz-Park-Fest geriet das 0.95 jedoch tatsächlich ein wenig in Vergessenheit, da es privat und beruflich ein wenig drunter und drüber ging bzw. hektisch wurde. Bis zum


28. Dezember 2024:


denn da ging es mit einem Freund nach Wetzlar zu Leica, um ein paar Porträts und Fotos von ihm zu machen.


Kaum angekommen, gab es im Store ein wenig Smalltalk und auf die Frage, ob ich etwas aus den Regalen zum knipsen mitnehmen wolle, war es das 0.95, das regelrecht instinktiv erfragt wurde. Im Gegensatz zum 1. Testlauf war das Nocti allerdings nicht mehr an der M10, sondern an meiner M11-D. Also minus Display. Und das dann mit einer Blende von 0.95. War das eine gute Idee? Nur mal so für den Hinterkopf: bei der Naheinstellgrenze von 1m beträgt die Schärfentiefe 2cm. Das ist nicht so richtig viel. Aber wenn der Fokus sitzt.... :


...ergeben sich sehr besondere Bilder

schaut euch mal die Unschärfe der Ohren an


dies ist eher die Entfernung zum Motiv, bei der das Noctilux 0.95 seine Stärken ausspielt, das Freistellen auf einige Entfernung


ich wiederhole mich, wenn ich schreibe,

dass der Leitz-Park sehr fotogen ist


Das "Fotoshooting" mit der M11-D und dem 0.95 war schon eine kleine Herausforderung, auch und vor allem, da ich natürlich bei 0.95 fotografieren wollte. Dabei bleibt es, wenn das Nocti genutzt wird, dann auch bei 0.95, sonst nehme ich das Summilux mit, das erheblich leichter ist.


Das war also der 2. Testlauf mit dem 0.95er. Bei all seinen Negativpunkten, namentlich Gewicht, Größe, CAs und herausfordernder Schärfentiefe im Nahbereich, es ist ein total faszinierendes und reizvolles Objektiv.


Ich blieb also angefixt 🥰


Eine ernsthafte Entscheidung hin zum Kauf des 0.95 war zu dem Zeitpunkt allerdings weiter nicht gefallen. Nüchtern betrachtet sprach schlicht und ergreifend zu wenig dafür und klar war - und ist - auch, dass mein 50er Summilux bleiben sollte. Dafür ist das Summilux zu gut und zu kompakt. Ach ja, eine weitere Hemmschwelle gab es auch noch, Verfügbarkeit und sich sicherlich auch daraus ergebendes Preisniveau. Wie schon in meinem Beitrag zu 50mm geschrieben: der Neupreis ist obszön. Logisch, Preise sind etwas sehr subjektives und für einen sind 12.350,- € eben nur ein Griff in die Portokasse. An dem Punkt bin ich leider noch nicht 😅 So war klar, wenn es in die Richtung gehen sollte, wird es ein gebrauchtes Glas werden. Die sind immerhin schon für die Hälfte des Neupreises zu finden und - und das erstaunte mich doch sehr - nicht selten in einem ziemlich abgerockten Zustand. Das kam schonmal nicht in Frage.


Der Weg zum 0.95 führte mit einem extrem kurzen Intermezzo von nichtmal 24 Stunden über das 1.0er Nocti. Hier war der Preis reizvoll und die Hoffnung, dass das 1.0 mit dem 0.95 vergleichbar sei. Dem ist mitnichten so! Ich weiß, dass nicht Wenige auf das 1.0 schwören und ihm einen dreamy und besonderen Look zusprechen. Maybe. Unterm Strich empfand ich es einfach als matschig. Sorry, da bin ich vielleicht zu sehr Banause. Mich hatte es nicht überzeugt und so ging es zurück zum Händler.


eines der wenigen Bilder mit dem 1.0, die mir gefallen haben


Nur wenige Tage später entdeckte ich ein 0.95 in sehr gutem Zustand inkl. OVP beim Leica Store in Konstanz. Der Preis war, sagen wir mal, ok, aber nicht so gut, dass ich direkt schwach wurde. Es gab da allerdings noch einen Briefbeschwerer, den ich ohenhin loswerden wollte, meine Q2 Reporter. Nach zwei E-Mails mit Herrn Wintersig vom Store in Konstanz hatten wir uns dann geeinigt und die Q2 ging zur Inzahlungnahme nach Konstanz und ein 0.95 machte sich auf den Weg zu mir. Am Samstag den 15.02.2025, einen Tag nach Valentinstag ❤️, kam es dann bei mir an und ich war von den Socken: das Extravagante fängt beim 0.95 schon mit der Verpackung an, die mal locker so groß ist, wie bei anderen Herstellern die Verpackung ganzer Bodys. Mit üblicher Ledertasche und darüber hinaus in einem weiteren Umkarton, der dem Namen nicht gerecht wird, eher eine mit Samt ausgekleidete Schatulle, lag das Noctilux-M 1:0,95/50 😍 Ganz großes Kino!


Nun ist das Nocti seit etwas über einer Woche bei mir und - der Euphorie des Neuen geschuldet - ständig auf meiner M11-D. Größe und Gewicht machen es wohl kaum zur ersten Wahl bei Bergtouren o.Ä., so ehrlich muss ich sein. Nur das, was das 0.95 auf den Sensor - oder Film - bannt, ist erstaunlich und trotz seines eher modernen Designs, wie auch beim 50mm Summilux, doch so ganz anderes, zumindest bei Offenblende!


Hier mal einige, wenige Bilder der letzten Tage:






Was nun aussteht und dem ich freudig entgegensehe: Frühling und seine tollen Farben 💐 Derzeit ist es grau in grau und dementsprechend auch viele meine Bilder (zum Leidwesen meiner Frau, die so langsam Bedenken bekommt, ob ich depressiv sei 😉).


Die wenigen Farbfotos, die bislang mit dem 0.95 entstanden sind, scheinen auf eine tolle Farbwiedergabe hinzudeuten, was man im übrigen auch immer wieder zu dieser Linse liest.


Wenn es soweit ist und ich ein wenig mehr Erfahrung mit meinem fat boy gesammelt habe, werde ich wieder berichten. Das sei schon jetzt angedroht!









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