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Leica M10 in 2024 - still worth it?

  • Autorenbild: Sven Edel
    Sven Edel
  • 6. Okt. 2024
  • 6 Min. Lesezeit

So oder so ähnlich finden sich eine Vielzahl von Videos zu Kameras und Kameraequipment in YouTube.


Sehr oft ist das Fazit: "Nur, weil heute 40 und mehr Megapixel der Standard sind, macht die Kamera keine schlechteren Bilder als noch vor 7 Jahren."


Und das ist im Grunde die Frage die im Raume steht:


Ist die M10 heute noch einen Blick wert?


Vorgestellt bzw. veröffentlicht wurde sie beinahe vor 8 Jahren, nämlich am 19.01.2017. Und es gibt nicht wenige, die behaupten, dass dies eine Ewigkeit in der Kameraenwicklung ist. Nun aber mal langsam.


Die Leica M10 ist die erste digitale M, die wieder die Maße ihrer analogen Vorgänger hat. Das hässliche Entlein M5 mal außen vor genommen. Dadurch, dass sie als Nachfolger der M (Typ 240) wieder schlank ist, liest man häufig, sie sei die erste richtige M im digitalen Zeitalter. Da kann sich jeder selbst ein Bild machen. Hardliner gibt es bei Leicanutzern ja mehr als genug. Auch ich hänge noch an der völlig unsinnigen Bodenplatte, die bei der M11 ja (leider!?!?!?!?) fehlt... finde diese Bodeplatte leider geil 🤩 gut, dass noch eine M3 und eine MP bei uns sind!


Aber zurück zu den Digitalen: Vor der M10 wohnte die M262 bei uns, also die 240 ohne Liveview. Und auch diese wusste zu gefallen. Richtig ist aber auch, dass mir der BMI der M10 besser gefällt 😋 Wo wir schon beim Vergleich zur M262 sind und somit letztlich zum Vorgänger : ja, die M10 ist schlanker und dadurch gefälliger, liegt besser in der Hand. Auch ist der Sucher (deutlich?) heller als der der Vorgängerin. Soviel auf der Habenseite der M10. Den Akku bzw. die Akkulaufzeit des Vorgängers hätte ich jedoch gerne zurück. Ich erinnere mich an einen Urlaub, wir waren eine Woche in Nordholland, an dem ich die Kamera nicht einmal aufladen musste und noch mit fast halb vollem Akku zurückkam. Irre! Das soll wohl bei der M11 wieder auf ähnlich gutem Niveau sein. Für die M10 ist ein 2. Akku sicher keine Fehlinvestition, wobei 250 - 300 Bilder auch locker mit einem Akku machbar sind.


Was die Bildergebnisse angeht, ein nicht ganz unwesentlicher Punkt bei einer Kamera, empfinde ich die M10 mehr oder minder unverändert zur M262. Höhere ISO kann die M10 sicher besser ab. Aber das spricht nicht so sehr für die M10 als eher gegen die M262 😅 ISO-Wunderwerke sind beide nicht. Bei der M10 geht es gut bis ISO 6.400 in Farbe, bei schwarz-weiß kann das Rauschen einfach als Korn gedeutet werden und man spricht sich diese Unzulänglichkeit als "Filmlook" schön. Haken dran ✅ An und für sich sind die Ergebnisse der helle Wahnsinn, auch bei heute scheinbar unterdimensionierten 24 Megapixeln. Sorry für den Vergleich, aber die Bilder kommen mir, also mir ganz persönlich, anders und ja, zumeist besser, rüber, als die Bilder meiner vorhergehenden Nikon D750. Take it or leave it. Ich sehe den Leica-Look!


officialy qualified as a Leica-fanboy 🔴❤️


Leitz-Park

Leica M262 mit Summicron 50mm (V5 mit Artikelnr. 11826)

das Bild wirkt derart brillant, dass es eine Grafik sein könnte


Mittlerweile ist die M10 seit mehr als 2 1/2 Jahren mein täglicher Begleiter, auch wenn sie diesen Status seit gut einem Jahr häufig mit der (analogen) MP teilen muss.


Als meine erste M bei uns einzog, im Frühsommer 2021, hat mich meine Frau gefragt, ob ich noch alle Latten am Zaun hab, nicht mehr ganz dicht bin, einen Sockenschuss habe. Sucht euch was aus. Und es ging hierbei nicht mal ums Geld.


Ich hatte scheinbar eine Kamera gekauft, die keinen Autofokus, keine Videofunktion, keine Bildvorschau im Sucher (man sieht schließlich durch eine Glasscheibe) usw. hat und trotzdem so viel kostete - wohlgemerkt gebraucht und einige Jahre alt natürlich - wie die Topmodelle von Nikon, Sony und Co. neu kosten. Als i-Tüpfelchen hatten sich mit dem Einstieg ins M-System auch die tollen (Detail-)Aufnahmen erledigt, die wir gerne aus Zoos mitgebracht haben, da man mit dem Messsucher auf 135mm begrenzt ist. Und dazu war das Tor der Objektive nichtmal aufgestoßen. Soll hier auch nicht thematisiert werden, da es ein eigenes Thema sein kann oder wird...


Ja, man kann sich schon fragen, was eigentlich für eine M spricht.


Ist es nur der Nimbus oder was steckt hinter dieser Irrsinnigkeit?


Nimbus

Substantiv, maskulin [der]


  1. BILDUNGSSPRACHLICH

    [ohne Plural]

    besonderes Ansehen, glanzvoller Ruhm

    "sein Nimbus als großer Dichter"


  2. BESONDERS BILDENDE KUNST

    Heiligenschein, Gloriole


Hat die M10 ein besonderes Ansehen? Ganz sicher, ja. Im Positiven wie im Negativen. Innerhalb der Leicanutzer positiv, wie oben zur Genüge beschrieben. Und auch von jenen, die mit Fotografie nix am Hut haben, wird man auf die M angesprochen. Oft mit der Frage, ob das so eine alte Kamera ist, mit Film, wie früher. Oder auch die Anmerkung, dass die Marke Leica ja bekannt ist. Außerhalb dieser Bubble wird man als Leicanutzer und da im Speziellen als M-Nutzer - in der Regel von anderen Hobbyfotografen - belächelt oder für unzurechnungsfähig erklärt. Neid oder Missgunst???


Nüchtern betrachtet, also als reiner Vergleich von Datenblättern zu den "großen Anbietern" würde sich wohl niemand für eine M entscheiden. Die M10 passt zu 2024 wie ein Dodge RAM: sie wirkt aus der Zeit gefallen. Sie hat nichtmal einen Augenautofokus. Klar, sie hat halt garkeinen Autofokus. Die Videofunktionen sind so beschränkt, dass sie garnicht erst vorhanden sind. Das Menü ist so überschaubar, dass es nach der erstmaligen Konfiguration quasi nie benötigt wird. Ahhh, stimmt nicht ganz. Ich nutze es regelmäßig... zum formatieren der SD-Karte. Und der Punkt liegt im selbst konfigurierbaren Favoritenmenü. Fotografiert wird dann, wie es die älteren Leser noch von früher kennen.


Blende

Zeit

ISO


Um ehrlich und fair zu sein. Zeit und ISO laufen bei mir in der Regel in der Automatik. Korrekturen werden dann über die auf dem Daumenrad liegenden Belichtungskorrektur vorgenommen. Thats it. Bedienung auf das Wesentliche reduziert.


Das Schöne hierbei: kennt man eine M, kennt man alle. Im Grunde auch übergreifend zwischen analog und digital.


Die Einzige, die hier für mich aus der Reihe fällt ist die M11. Deren Möglichkeiten und Menüumfang haben mich in einem ersten Feldversuch abgeschreckt.*


* Um dies zu bestätigen - oder auch nicht - steht im November 2024 ein Workshop bei Leica in Wetzlar an, um die M11 zu entdecken. Bösartig formuliert will ich meine Frage klären, ob die M11 tatsächlich "zu technisch" geworden ist und die Bildergebnisse wirklich so nah an denen der M10 sind.


Und um die Gleichartigkeit der Ms fortzusetzen: neben dieser übergreifenden Gleichartigkeit sind auch die Objektive für das M-Bajonett seit 70 Jahren auf eben allen Ms verwendbar. Nachhaltigkeit ✅


Was passiert nun, wenn man eine M in der Hand hat im Vergleich bspw. zu meiner Nikon D750, mit der ich mich in die Fotografie verliebt habe und die auch klasse Bilder geliefert hat? Die M ist kein klassischer Handschmeichler, die Haptik ist genial, die Ergonomie ist, sagen wir mal ok 😅. Mit kleinen, leichten Objektiven ist die Ergonomie ausreichend, bei großen Linsen wie bspw. einem Noctilux 0.95 braucht man schon gut trainierte Handgelenke - oder eine Daumenstütze und Half Case. Das macht die M zwar nicht schöner, aber angenehmer im Handling.


Das ist es aber auch was die M kann. Sie animiert mich dazu sie in die Hand zu nehmen, weil sie - ohne Daumenstütze und ohne Half Case - bildschön ist 😍 Dies führt praktisch dazu, dass ich sie öfter dabei habe - im Vergleich zur genannten Nikon - und dadurch schlicht und ergreifend mehr fotografiere. Und ich meine fotografieren, nicht knipsen. Die fehlenden Funktionen zwingen mich dazu mir Gedanken über mein Bild zu machen. Und ich behaupte: durch das Mehr an Fotografie und dem Auseinandersetzen mit meinem Motiv sind meine Bilder besser geworden.


Und jetzt kommt der Todesstoß für die Vielzahl an DSLM- / DSLR-Fotografen mit den tollen Sigma-Art-Linsen usw.: Ich habe in den letzten knapp drei Jahren einen Haufen toller Bilder gemacht, die nichtmal knackscharf sind, der Fokus auf der Nase anstatt den Augen sitzt, Lichter ausbrennen, usw. und mir diese technisch unzulänglichen Bilder trotzdem viel besser gefallen und mir sehr wichtig und lieb sind..


Der Vergleich ist letztlich der mit einem Porsche: ein niegelnagelneuer 911 ist schnell und komfortabel zugleich. Bietet bei Tempo 300 noch eine realitätsnahe Kartennavigation mit zeitgleich warmem Hintern dank Sitzheizung. Andere genießen die Fahrt im 993, dem letzten luftgekühlten 911. Alles ist im Vergleich zum niegelnagelneuen rauer, ruppiger und das Fahren nicht so einfach und komfortabel. Dafür macht es vielleicht einfach mehr Spaß. Das man am Ziel ankommt, ist bei beiden identisch, der Weg dahin völlig unterschiedlich.


Genauso ist es mit einer M zu fotografieren. Der Prozess des Fotografierens ist so erfüllend und fokussiert, dass die Bilder manchmal garnicht so wichtig sind und in den Hintergrund geraten. Klingt komisch, ist aber so.


Abschließend also noch die Antwort auf die Eingangsfrage: Ist die M10 in 2024 noch einen Blick wert? Unbedingt! Und nicht nur als 2. Wahl im Vergleich zur M11, sondern vielleicht auch als 1. Wahl, da sie neben dem günstigeren Preis, auch Eigenheiten hat, die sie selbst in den Vordergrund rücken.


Ob ich Bedenken habe, dass ich nach dem Workshop zur M11 von meiner M10 Abstand nehmen könnte und auf eine M11(-P) umsattle? Absolut. So ist das halt mit GAS.


Leitz-Park Fest 2022 - Voigtländer 21mm Nokton


auch Makro ist mit Hilfe des Makroadapters möglich - natürlich mit Liveview


welch erhabenes Tier - unser Mops Nemo

Voigtländer 90mm APO Skopar


die günstigste M10 auf dem Markt


24 Megapixel reichen

Federkleid eines Pfau - aufgenommen mit 135mm APO-Telyt



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