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Einmal Wank und zurück

  • Autorenbild: Sven Edel
    Sven Edel
  • 27. Apr. 2023
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Okt. 2024



April 2023 - nachdem ich nun seit gut einem Jahr regelmäßig laufen gehe und mich deutlich fitter fühle, kommen auch wieder "sportlichere" Gedanken. So zum Beispiel in Vorbereitung auf unseren einwöchigen Osterurlaub in Garmisch-Partenkirchen.


Im Übrigen unser erster Urlaub in einem Hotel mit Frühstück und Abendessen seit gut acht Jahren; unser erster Urlaub seit acht Jahren ohne Hund. Keine Sorge, der macht auch Urlaub, allerdings bei den Schwiegereltern und lebt dort wahrscheinlich wie Gott in Frankreich 😃. Wir selbst kommen im AJA Garmisch-Partenkirchen unter. Das Hotel haben wir zufällig entdeckt, als wir beim letzten Besuch in GAP im Nivea-Store waren. Und dieser ist an das Hotel angebunden. D.h. es gibt auch Nivea-Behandlungen im Wellnessbereich. Spannend 😅


Zurück zu den sportlichen Gedanken und zurück ins Jahr 2020 zur Vorbereitung auf meine Zugspitzwanderung. Für diese hatte ich mich unter anderem so vorbereitet, dass ich auf den Wank gewandert bin. Eine "einfache" Tour, was den Schwierigkeitsgrad angeht. Knapp fünf Kilometer über 1.040 Höhenmeter. Nun, wo ich mich fitter fühle, könnte man die Tour nochmal angehen. Kleiner Haken: Es ist April 2023 und die Wankbergbahn ist noch in Revision. Mit anderen Worten: es geht nicht nur auf den Wank hoch, sondern auch noch runter. Macht also aus fünf Kilometern zehn und aus 1.040 Höhenmeter 2.080. Challenge accapted 😎


05.04.2023 - Es ist kurz nach 8:00 Uhr und ich stehe am Parkplatz der Talstation der Wankbahn. Wir haben schön und in aller Ruhe, soweit man das mit einem 2-Jährigen haben kann, gefrühstückt. Die letzte Nacht war etwas unruhig, da genannter 2-Jähriger sich überlegt hat kurz nach Mitternacht wach zu werden, Hunger zu haben und nicht mehr schlafen zu wollen. Also genau das Richtige, wenn man morgens ausgeschlafen loswandern möchte 😴.


Mit dabei sind der große Wanderrucksack, zwei Liter Wasser, eine Banane, eine Brezel und natürlich die M10 mit 50mm Summilux und die M3 mit dem 28er Elmarit. Zur Navigation dient die Komoot-App. Wer mit dieser App regelmäßiger unterwegs ist, weiß, dass die Touren ab und an mit Vorsicht zu genießen sind. Das heißt, es werden schonmal Wege vorgegeben, bei denen man sich ernsthaft fragt, ob das einem "Weg" auch nur annähernd ähnelt. Aber dazu später mehr, da ich aus dieser Erfahrung vom Parkplatz aus erstmal der Beschilderung in Richtung Wank gefolgt bin.





Ein rege wiederkehrendes Bild auf dem Weg auf den Wank:

die kreuzende Seilbahn


Der Weg geht am oberen Ende des Parkplatzes ab über den Philosophenweg parallel zu Partenkirchen. Über den ersten Kilometer geht es hier ohne nennenswerte Höhenmeter und gut befestigte Wege nur ganz knapp über dem Ort entlang bis zur Wallfahrtskirche St. Anton. Dort biegt man dann ab und folgt den Schildern Richtung Wank, die von hier aus noch eine Gehzeit von gut über drei Stunden versprechen. Größenwahnsinnig, wie man(n) so ist, waren diese drei Stunden der Plan für den Auf- und Abstieg. Dieses Ziel sollte weit verfehlt werden 😂.



Blick vorbei an der Wallfahrtskirche in Richtung Partenkirchen


Nach der Wallfahrtskirche zeigt sich dann, dass auch dieser scheinbar flache Berg doch auch richtig steil sein kann, zumindest für mich als Westerwälder! Für die Locals (neudeutsch für Einheimische) scheint der Wank eine Laufstrecke zu sein. Wenn man selbst also in Bergstiefeln, Wanderrucksack, Stöcken, etc. - also in voller Montur - unterwegs ist, kommen einem Jogger entgegen oder kreuzen (Trailrunner?), man sieht allerdings auch ältere Damen und Herren, die dort mit ihren Hunden Gassi gehen. Aber hey, die Locals sind die Höhenmeter auch gewohnt 🤓.


Der Ausblick entschädigt schon auf halbem Wege die Plackerei.



Und so nach und nach wurden die Häuschen auch immer kleiner...


Der Weg auf den Gipfel war über die erste Hälfte der Strecke, also bis zur Mittelstation, trocken und lies sich gut laufen. Kurz nach der Mittelstation wurden die Verhältnisse dann etwas schwieriger.


Die Bahn nimmt den kurzen Weg. Zu Fuß geht es im Zickzack nach oben.


Die Wege waren vielfach vereist oder - weiter unten - total matschig, wo das Eis bereits geschmolzen war. Das Laufen hat sich hier als echte Herausforderung dargestellt und die Wanderstöcke waren einmal mehr Gold wert.



Hier waren die Wege noch frei 😇



In der Hoffnung, dass diese Eiszapfen nur am

Wegesrand - und nicht in den Bäumen über mir - hingen


Ab etwa 300m unterhalb des Gipfels wurden die Verhältnisse wieder erheblich besser. Aus Eis wurde fester Schnee und dieser wurde bis zum Gipfel mehr und mehr. So viel, dass man am Gipfelkreuz beinahe kniehoch im Schnee versunken ist, wie das nächste Bild eindrücklich zeigt:



Nochmal kurz zurück zum Weg auf den Gipfel. Aus der Erfahrung in 2020 wusste ich, dass man den Gipfel in guten zwei Stunden und nach knapp über fünf Kilometern erreichen kann. Ein Blick auf die Komoot-App zeigt nach zwei Stunden: 5,28km und 1.540 m. Mhhh, kurios. Es sind noch über 200 Höhenmeter vor mir und geschätzte 1,5km. Irgendwo muss ich also im Vergleich zur Tour in 2020 anders gelaufen sein. Nur wo? Ich hatte keine Idee. Half jetzt auch nix, weiter geht es. Und tatsächlich, nach 6,52km und 2 Stunden und 33 Minuten war ich am Gipfel angelangt. Und das Schönste daran war:


ich war allein


Da die Bergbahn nicht fuhr, waren nur diejenigen hier oben, die ebenfalls den Fußweg genommen hatten. Und in dem Moment war es niemand außer mir.


Das obligatorische Gipfelselfie - hier aus der (analogen) Leica M3 - darf natürlich nicht fehlen.


Kaum war das Selfie aufgenommen, wurde erstmal ein Päuschen gemacht, die Banane und die Brezel gegessen und ein Liter Wasser getrunken. Uiiiii, das Wasser war beim Aufstieg so kalt geworden dass es an den Zähnen schmerzte (und ich bin wirklich nicht kälteempfindlich). Während des Aufstiegs gewöhnt man sich nach und nach an die allmählich fallenden Temperaturen, nicht wie bei der Fahrt mit der Seilbahn, bei der man aus der "warmen" Gondel aussteigt und auf dem kalten Gipfel steht.



Der Hauptakteur des Wandertages, die Leica M3 aus 1959. Ist sie nicht schön 😍?


nein, kein Bild aus den 50ern, sondern ein Bild mit einer Kamera aus den 50ern 📸


Man bekommt eine Vorstellung davon, wie kalt es war, wenn man sich ansieht, wo hier noch überall Eiszapfen hingen - sogar an Tannennadeln - so etwas hatte ich bis dato nicht wahrgenommen:




Nach wenigen Minuten Pause war dann der Weg zurück ins Tal angesagt. Und da ich wissen wollte, wie man in guten 5km nach unten kommt, folgte ich den Anweisungen der Komoot-App. Es ging vom Gipfel erstmal über einen "Grat" entlang, der eine wahnsinnig tolle Aussicht bot:



Der Weg bergab - oder auch "never trust Komoot" 😂




Ein Traum 😍


Nach den ersten paar hundert Metern (nicht Höhenmetern!) wurde dann auch klar, weshalb die Strecke 2 km kürzer war, als die auf dem Hinweg. Es ging steil bergab, teilweise richtig, richtig steil und für mich ohne die Wanderstöcke sicherlich nicht machbar, da ich aufgrund der matschigen bzw. vereisten Flächen einige Male ins Rutschen kam. Somit ging es tatsächlich recht schnell bis zur Mittelstation bergab, allerdings nicht ganz unaufgeregt, was meine Nerven angeht 😁.


Auf Höhe der Mittelstation war es dann um die Mittagszeit, das Schlimmste und Anspruchsvollste geschafft und es war angenehm warm, nicht zuletzt war es ein sonniger Tag Anfang April. Also: es war nicht frühlingshaft warm, sondern eher:


"ich habe 1.500 Höhenmeter hinter mir und habe einen

Rucksack und eine schwere Jacke auf dem Buckel"-warm


Der Weg weiter bergab von der Mittelstation, vorbei am Kletterwald gestalte sich dann problemlos, wenngleich die Füße langsam schwer wurden. Es war mittlerweile irgendetwas um 13 Uhr und ich war erstaunt, wieviele Wanderer mir nun entgegenkamen. Ob das die Touristen waren, die nach einem entspannten Vormittag nochmal "schnell" auf den Berg wollten 😉 ? Tauschen wollte ich zu dem Zeitpunkt definitiv nicht mehr und war schon ein wenig happy, als ich in mein bequemes Auto steigen konnte, die Sitzheizung auf Vollgas drehte und dazu noch feststellte, dass trotz fehlenden Parktickets - sorry, hatte kein Kleingeld - kein Strafzettel an der Windschutzscheibe hing.


Unterm Strich ist der Weg auf den Wank und zurück machbar, auch wenn man kein ausgewiesener Athlet ist. Sollte man dies angehen, wenn man keine Idee hat, was einen erwartet? Wohl eher nicht. Für mich wird es nicht die letzte Tour auf den Wank gewesen sein!

edel - wie fein

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