Es gibt so Brennweiten, mit denen will man warm werden, versenkt in diesen Willen viel Zeit, Geld und Energie und im Ergebnis muss man sich eingestehen, dass es einfach nicht passen soll....
So erging es mir die letzen beiden Jahre mit 28mm. Einer Brennweite, die Dank Smartphones wohl die meistgenutzte Brennweite überhaupt ist. Aber auch in unserer Bubble, also denen mit rotem Punkt, hat spätestens die Q die 28mm in die "Masse" gebracht.
Angefangen hat es Anfang 2023, als die Frage im Raume Stand, was neu kommt: ein 28er oder ein 50er. Letzteres wenn überhaupt als Summilux, da ein Summicron bereits vorhanden war. Diese Tatsache führte dazu, dass mir der Store als auch mein Schwiegervater das 50er Summilux ausquatschten und ich somit aus "vernunftbasierten" Gründen zum 28er Elmarit griff.
Notiz an mich selbst:
Kaufe kein Objektiv mehr aus Vernunftgründen.
Die Vernunft kann im Arbeitsleben, in Teilen des Privatlebens sicherlich auch, bleiben. In der Leidenschaft hat sie nix zu suchen. Das weiß ich nun, zwei Jahre und viele Euros später.
Die ersten Wochen war das 28er Elmarit mein dauerhafter Begleiter auf der M3, da diese Kombi ohne Geli sogar in die Jackentasche passte. Es sollte allerdings nicht so richtig lange dauern, bis ich mich an den Bildern satt gesehen hatte, ob analog, mit der M3, oder digital, mit der M10. Wieso? Oder vielmehr wieso nicht:? Das lässt sich ganz klar sagen: an der Abbildungsleistung lag es nicht. Denn diese ist meiner Ansicht nach über jeden Zweifel erhaben und aus rein technischen Gesichtspunkten wohl noch besser, vielleicht sogar deutlich besser, als die meines heiß geliebten 35mm Summilux Asph. FLE.
Aber wieso nun? Die Bilder waren mir irgendwie beliebig, wirkten vielfach, als hätte man diese schon so oft gesehen. Was nunmal auch sein kann, da 28mm durch unsere Smartphones extrem weit verbreitet sind und der Bildausschnitt damit in unser aller Hirn eingebrannt ist.

Ehrlich gesagt gab es noch einen weiteren, weitaus dümmeren Punkt. Das Elmarit hat "nur" f2.8 und ist damit für heutige Verhältnisse nicht wirklich offenblendig. Anders formuliert: Sehen wir der Wahrheit ins Auge: ich habe kein Talent beim Fotografieren, also muss ich ungewünschte Teile im Bokeh absaufen lassen 🙄

ein wenig Unschärfe ist auch bei f2.8 möglich

knackscharf bei f2.8 (Leica M10)
Könnte es nicht auch mit einem iPhone aufgenommen sein? Haters gonna hate

für Städtetouren ist das Elmarit natürlich aufgrund seiner Größe und des Gewichts toll, das steht außer Frage
So hatte ich also ein niegelnagelneues, knackscharfes, kompaktes, leichtes Objektiv,...
Achtung: Spannungsbogen!
...das ich nach der ersten Euphorie fast nicht nutzte!
Und 2024 sollte der nächste "Fehlkauf" folgen. Eine Q2 in Form - und Farbe - einer Reporter. Für Sondereditionen bin ich sehr empfänglich 😅
Schon mein 50er Summilux hat statt der gelben eine rote Schrift und ist in der Form kaum bis garnicht zu finden. Laut Meister Camera Raritätenstatus R8 "fast einmalig"...
Zurück zum Thema: Nun stellt man sich die Frage nach einem Jahr der Ernüchterung mit dem 28er Elmarit: WTF? Wieso??? Wieder 28mm? Gehts noch? Ganz einfach: ich dachte, ich brauche unbedingt eine (spritz-)wassergeschützte Kamera. Der M traue ich bei Regen, und sei es nur ein dünner Nieselregen, nicht über den Weg. Da ich nicht noch ein Fass weiterer Wechselobjektivkameras aufmachen wollte, womit die SL raus war, kam eben nur die Q2 in Frage, wenn ich in Wetzlar bleiben wollte. Dass die Q2 die gleiche, langweilige - let the shirtstorm begin - Brennweite von 28mm hatte, ignorierte ich bei den Überlegungen ziemlich gut, wenn ich mir das im Nachhinein so betrachte 😜.
Dafür hat das 28er der Q2, gegenüber dem Elmarit, eine 1 vor dem Komma stehen. Für mein mikriges Ego sehr wichtig. So ein Summarit oder Elmarit.... Pfff. Ne ne, Summilux ist schon das Minimum 🤑 Yes, das wird bestimmt einen mega großen Unterschied machen und ALLES ändern. Mhhh, ja,... klaaaaaar.
Bevor ich weiter lästere und mich über mich selbst ärgere, hier ein paar Ergebnisse, die, von einem technischen Standpunkt gesehen, allesamt super sind:

ein Blick auf den Westerwald bei Minusgraden

Kampfmops in Hargen aan Zee

feinste Details bei f1.7

die Naheinstellgrenze ist wohl das Beste an der Q2

Baggerbild für Leo
aus der Sofort 2 (die ein tolles Spielzeug ist) 😉
Die letzten vier Bilder hier sind an einem langen Wochenende in den Niederlanden entstanden. In meinem Lightroom-Ordner habe ich von diesem Kurztrip 248 Bilder. Es fiel mir wirklich, wirklich schwer Bilder auszusuchen, die mir gefallen und, die ehrliche Einschränkung muss sein, nicht meine Kinder zeigen.

Schnappschuss bei den Leica Analog Experience Days im Februar 2024

bei aller Hetze,... die Q2 durfte mit zur Geburt meiner Tochter kommen
ein Moment, bei dem ich ungern auf Zonenfokus oder den Messsucher zurückgreifen wollte 😄

ein Erinnerungsanker für den nächsten Besuch in Hamburg
das (süd-)koreanische Restaurant Seoul Station
Naja, die Q2 war schon häufig dabei, tatsächlich. Aber sie war eher die 2. Wahl, weil das Wetter nicht gepasst hat oder ich einfach knipsen wollte. Spaß hat sie mir halt nicht gemacht, womit ich zu meinem obigen Statement zurückkomme und es hier ein wenig umformuliere:
Kaufe keine Kamera mehr aus Vernunftgründen.
Im September 2024 sollte dem Irrsinn dann die Krone aufgesetzt werden:
Wenn das Elmarit mit f2.8 nicht passt, weil es nicht offenblendig genug ist und die Q2 nicht passt, weil es eben keine M ist, ja dann ist doch des Rätsels Lösung ganz einfach und klar, oder?
Das Summilux-M 28mm f1.4!
Au weia 🤦🏼
Nun mal halblang! Als das Summilux ankam war ich erstmal schwer begeistert. Schwer ist da eines der passenden Schlagwörter. Im Vergleich zum 35er Summilux ist das 28er Summilux in alle Richtungen etwas größer und im Vergleich zum 28er Elmarit ein echter Brocken. Wie immer natürlich: Verarbeitung und Haptik sind perfekt und es macht Spaß das Ding in der Hand zu halten. An der M11-D ist die Ergonomie damit auch (noch) in Ordnung und wäre kein Grund gewesen mich wieder von dem Objektiv zu trennen. Oooops. "Spoiler" hätte ich vorher schreiben müssen, oder?
Nun hatte ich das 28er Summilux im letzten halben Jahr nicht nur 1x, sondern gleich 2x... und habe es beide Male innerhalb weniger Tage wieder zurückgeschickt. Das erste Mal allerdings war eher so ein Karma-Ding... Nicht, dass ich an einen Unsinn glaube. Haltet mich für bekloppt, aber es kam am 12.09. an und tags drauf habe ich meine Mutter viel zu früh und plötzlich verloren.
Zusammenhang, ganz nüchtern betrachtet, natürlich gleich null. Jedes Mal jedoch, wenn ich das Objektiv in die Hand nahm, kam sofort die Assoziation, wie nah größte Freude und größtes Leid zusammenliegen können. Auch wenn es, wie hier, nur in zeitlicher Form war. Das soll es auch schon für das 1. Mal 28mm Summilux gewesen sein, hier will ich nicht auf die Tränendrüse drücken.
vier Monate später...
Januar 2025, ich bin auf der Suche nach einem neuen Objektiv und irgendwie wäre was Weitwinkliges wäre schon cool. 35mm, 50mm und 135mm habe ich. 21mm waren mir für regelmäßig drauf zu weit und waren deshalb auch schnell wieder ausgezogen, 24mm findet man leider einfach kaum und da fällt mir doch mal wieder das 28mm Summilux ins Auge. Die Erinnerung an die Haptik und dessen Aussehen waren ja gut... Außerdem wie oben erwähnt: lichtstärker als das Elmarit und es ist keine Q2.
Passt!
Oder doch nicht?

Blende 1.4 an helllichtem Tag (Leica M10)

jop, hier ist jetzt auch freistellen möglich (Leica M10)

ein Crop aus einem Hochformatbild (Leica M11-D)
Crop... das kommt noch öfter...
Grundsätzlich macht es Spaß das 28er Summilux zu benutzen. Die Kombination mit der M11-D ist schlicht und ergreifend bildschön 😍

Also, alles tutti? Warum ist es denn wieder weg, wenn eigentlich alles passte?
Die Antwort ist wohl das Ende meiner 28mm-Reise: Ja, die Ergebnisse waren gut, die CAs mal außen vor, die lassen sich ganz easy in LR korrigieren. Der Preis, ok, fast 5k für ein gebrauchtes Objektiv. Welcome to Leica, it is at it is.
Nein, es liegt daran, was ich aus den Bildergebnissen gemacht habe: ich habe gecroppt,... gecroppt wie ein Weltmeister. Und zwar annähernd alle Bilder auf einen Bildausschnitt, der Aufnahmen mit 35mm Brennweite gleich kam. Damit war dann endlich und abschließend klar: es lag weder an f2.8, noch an der Q2 - ok, vielleicht lag es ein bisschen an der Q2 😏 - aber ganz im Wesentlichen lag es an der Brennweite:
28mm sind nicht mein Ding!
Man kann es natürlich auch positiv formulieren::
35mm sind genau mein Ding!
Nun ist es Januar 2025 und das Summilux ging zurück zum Händler. Fürs Erste bin ich wohl 28mm-kuriert...

eines der wenigen Bilder, die ich nicht zurechtgecroppt hatte....