top of page
Suche

Ein Tag Berlin

  • Autorenbild: Sven Edel
    Sven Edel
  • 3. Okt. 2024
  • 7 Min. Lesezeit

Irgendwo hatte ich Ende 2021, vielleicht war es auch schon Anfang 2022, gelesen, dass viele Fotografen, auch - und insbesondere - Hobbyfotografen, viel zu viel Geld für ihr Equipment ausgeben und viel zu selten fotografieren gehen. Rückblickend auf die vergangenen Jahre und Investitionen konnte ich dies nur bestätigen 😅.


Und da ich auf mehr Fotografie Lust und ein kleines Faible für Streetart hatte (und habe) kam mir unsere Bundeshauptstadt in den Sinn. Berlin kommt sicherlich einigen direkt in den Sinn, wenn man an Streetart / Graffitis denkt und noch dazu ist diese Stadt der krasse Gegensatz zu meinem Alltag, den ich privat als auch beruflich annähernd ausschließlich auf dem Dorf, maximal in kleineren Städten, verbringe. Also auf ins Großstadtabenteuer Berlin.


Da ich nicht gerade ein Verfechter des Fliegens bin, kam für mich nur der Flug mit Lufthansa in Frage. Nicht aus objektiv nachvollziehbaren Gründen, natürlich nicht, sondern weil diese einen seriösen, langweiligen und verlässlichen Eindruck macht. Also das, was ich selbst in meiner Tätigkeit als Steuerberater auch bin 😜.


So wurde für Juli 2022 ein Flug morgens hin nach Berlin und abends zurück nach Frankfurt am Main gebucht und noch das 9€-Ticket gekauft. To make a long story short: Den Fototrip nach Berlin habe ich erst im Juni 2023 gemacht, da mir eine Coronainfektion in 2022 einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte 😐.


Macht ja nix. Also wurden im Mai 2023 nochmal die Flüge gebucht, morgens um 7:45 Uhr von FRA nach BER und abends um 18:45 Uhr zurück. Und aus dem 9€-Ticket wurde diesmal ein Tagesticket für den Berliner ÖPNV für 10,70€. Lässt sich also verkraften. Alles in allem sollten es 17 Stunden sein, die ich unterwegs bin.


Vorab:

Es war anstrengend, hat sich aber total gelohnt!


09.06.2023 - Es wird gepackt und ich freue mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten.


Die erste Frage, die sich stellt: Fotoumhängetasche oder Fotorucksack? Kann ich so nicht beantworten. Also mal sehen, was alles mit soll. Ohne große Anstrengung kam folgendes Gepäck zusammen:

  • Leica M10 mit 35er Summilux

  • Leica M3 mit 28er Elmarit

  • drei Silbersalzfilme für die M3

  • Powerbank mit Ladekabel und Lightningadapter

  • ND-Filter für das 35er

  • zwei Ersatz-SD-Karten

  • Ersatzakku für die M10

  • Buch (Das Licht im Rücken von Sandra Lüpkes) -> es handelt von Leica,... wer hätte es gedacht 😂 #markenopfer

  • Reinigungsstift und Microfasertuch

  • Sonnenbrille und Kappe - es sollte heiß werden (> 30 Grad)

  • Portemonnaie mit nötigen "Papieren"

  • Notizbuch, um den Tag zu dokumentieren



Damit war die Entscheidung dann recht einfach auf den Rucksack gefallen. In die Umhängetasche hätte nämlich nicht annähernd alles reingepasst.


Um alle Eventualitäten auszuschließen werden zwei Wecker gestellt. 5:00 Uhr und 5:15 Uhr.


10.06.2023 - 4:50 Uhr - Keiner der Wecker wird gebraucht... Keine 20 Minuten später sitze ich im Auto und fahre in Richtung Sonnenaufgang nach Frankfurt an den Flughafen. Das tolle bei Fahrten um diese Uhrzeit am Wochenende ist ja, dass man auf den Straßen fast allein unterwegs ist und dass, obwohl die Fahrt über die A3 geht, eine mehr als viel befahrene Autobahn. So war ich dann auch planmäßig um 6:00 Uhr im Parkhaus P2 angekommen und wiederum einer Dreiviertel Stunde später durch die Sicherheitskontrolle. Nun hieß es also erstmal: warten. Glücklicherweise hatten die Shops schon auf und so gönnte ich mir erstmal einen Avocadobagel und ein Wasser - für schlappe 9,70€ 🤑.


Leica M3 mit Silbersalz-Film


Nun hieß es also um 7:15 Uhr: Boarding. Der Flieger war recht leer, geschätzte 30 Passagiere, wenn überhaupt (Spoiler: das sollte auf dem Rückweg ganz anders aussehen). Dementsprechend ruhig und schnell verlief auch die Boardingprozedur und wir waren ziemlich genau um 8:00 Uhr unterwegs nach Berlin.


Der Blick kurz nach dem Start auf die Frankfurter Skyline.

Ohne auch nur ein Wölkchen am Himmel.


Nicht richtig in der Luft gewesen kam auch schon die Durchsage "bitte schnallen Sie sich wieder an, wir sind im Landeanflug auf Berlin". So landeten wir dann, wiederum sehr pünktlich, um viertel vor neun am BER. Und damit war dann auch klar, dass es den Flughafen tatsächlich gibt und er tatsächlich fertiggestellt ist. Man hätte auch vermuten können, dass der BER nur als Content der Heute Show erfunden wurde 😉.


Bahnhof Berlin Ostkreuz:

Zwei Tauben, die auf eine Mitfahrt warten.

Im Hintergrund die typischen, Berliner S-Bahnen.


Das erste Ziel sollte das RAW-Gelände werden. Ein, und ich hoffe ich tue damit keinem Unrecht, Kreativenviertel, das in Fotoforen und auch im Buch "Berlin fotografieren" (d.punkt Verlag) eine Menge Vorschusslorbeeren erhalten hat und sehr sehenswert sei. Was soll ich sagen? Wer auf Streetart steht, der ist hier richtig:



Allerdings muss ich auch sagen, dass ich dort nachts nur ausgesprochen ungern allein unterwegs sein wollte. Selbst vormittags hat die Gegend etwas, das ein Landei wie mich, aufmerksam und kritisch sein lässt. Daher wurden nur ein paar Bilder gemacht und nach nichtmal einer Stunde - und dem für mich besten Cappuccino aller Zeiten im Café Kult - ging es daher weiter zum Hauptziel des Tage, dem Teufelsberg.


Café Kult - Leica M3 mit Silbersalz-Film


Bei der Planung dieses Trips habe ich lange überlegt, ob ich den Weg zum Teufelsberg in Kauf nehmen soll. Zuvor war ich noch nie dort gewesen, konnte somit nicht auf eigene Erfahrung setzen. Und im Buch "Berlin fotografieren" war der Teufelsberg nichtmal erwähnt, was mich ehrlich gesagt etwas stutzig machte, ob sich der Weg dorthin lohnt.


Achso, weshalb erwähne ich die Anreise dorthin überhaupt? Aus Richtung BER kommende fährt man in etwa einmal quer durch Berlin bis nach Grunewald (S-Bahn-Station Heerstraße). Vom RAW-Gelände aus (S-Bahn Station Warschauer Straße) macht das eine reine Fahrzeit ca. 30 Minuten. An der Heerstraße angelegt heißt es allerdings nochmal gut über zwei Kilometer Fußmarsch bis zum Gelände des Teufelsberges. Also alles in allem eine Stunde Anreise, ohne zu wissen, ob sich das lohnt. Und hätte es sich nicht gelohnt wären somit mehr als zwei Stunden futsch gewesen. Zwei Stunden, die bei einem Tagestrip eine ganze Menge Holz sind.


Zwei Aussage haben dann letztlich zur Entscheidung geführt den Teufelsberg anzugehen:

  1. Die eigene Aussage von teufelsberg-berlin.de: "Teufelsberg Berlin ist eine der größten Street Art Galerien der Welt"

  2. Das Statement auf der Homepage dosenkunst.de: "In diesem Jahr (Sommer 2021) war das unbestreitbare Highlight der Teufelsberg."


Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt. Und zwar sowas von 😎 Aber überzeugt euch selbst:




"Christmas is cancelled! I told Santa I was a good girl. He died laughing!"


Erster Gedanke: Ist das Mothra von Godzilla?









Die Graffitis und Murals sind der helle Wahnsinn. Von abstrakten Werken bis hin zu Werken, die auch Fotografien hätten sein können, ist für so ziemlich jeden Geschmack etwas dabei. Hier waren definitiv einige Profis am Werk. Was auffällt: Politik und Kritik am Sozialsystem wird immer wieder in den Werken aufgegriffen.



Überwältigt vom Teufelsberg machte ich mich dann gegen 13:30 Uhr auf den Rückweg in die Innenstadt. So langsam knurrte nämlich auch der Magen 😃. Meinem Orientierungssinn wenig dankbar wurden dann aus guten zwei Kilometern zur S-Bahn mehr als drei Kilometer. Naja, so sieht man mehr von der Welt 😉.


In der S-Bahn angelangt wurde ein kurzer Zwischenstop an der Messe ICC gemacht. Die Unterführung ist weltbekannt und war schon in dem ein oder anderen Spielfilm zu sehen (unter anderem Tribute von Panem). An diesem Samstag hatte die Unterführung noch mehr zu bieten, was noch dazu schwierig zu finden war: es war angenehm kühl dort unten!


Leider sollte mir hier jedoch kein richtig cooles Bild gelingen... daher hier nur ein Bild zu dokumentarischen Zwecken:


Messe ICC


Von der Messe ging es dann zum letzten Zwischenstop, bevor es zurück an den Flughafen gehen sollte: Mittagessen bei Curry36, stilecht ohne Darm, dafür mit Pommes rot-weiß, und anschließendem Photowalk durch den Hauptbahnhof und das Regierungsviertel.


auffällig für die Landeier: so viele Menschen 😅


das weltbekannte Elisabeth-Lüders-Haus - für Fotografen annähernd jeder Stilrichtung ein klasse Motiv


das Dixi lässt erahnen, welche Ausmaße die kreisrunde Öffnung hat


obligatorisches Spiegelselfie mit der M3 - Haken dran ✅


Um ehrlich zu sein: so richtig hatten mich der Hauptbahnhof und das Regierungsviertel an dem Tag fotografisch nicht gepackt. Es ist doch sehr touristisch mit sehr viel Trubel. Auch wenn man, wie ich, zuvor erst 2x in Berlin war, so meint man alles schonmal gesehen zu haben und der Reiz des Neuen ist nur eingeschränkt vorhanden.


Vielleicht lag die langsam schwindende Motivation auch dran, dass ich - mittlerweile war es ca. 15:00 Uhr - langsam aber eindeutig durch war. Seit mittlerweile 10 Stunden unterwegs, bis dahin pi mal Daumen 15 Kilometer gelaufen und das alles bei nun hoch stehender Mittagssonne und über 30 Grad.


So entschied ich mich dann, nun in aller Ruhe, den Weg zum BER anzutreten. Es sollte ja ein "entspannter" Fototrip sein und keine Hauruckaktion. Also ging es in das Untergeschoss des HBF und dort in den FEX (Flughafen-Express). Die Fahrzeit wurde vor allem genutzt, um aus dem Fenster zu schauen. Völlig unproduktiv, nichtmal ein Podcast wurde gehört. Eine für mich eher ungewöhnliche Situation, da die Zeit im Alltag immer knapp ist und genutzt wird. Nicht unbedingt sinnvoll, wobei das in sich schon recht subjektiv ist, was sinnvoll ist, allerdings "genutzt" wird die Zeit immer und nur selten, um runterzukommen.. Und hier wurde sie nur genutzt, um aus dem Fenster zu schauen, die Stadt und die Menschen darin zu beobachten und sonst nichts zu tun. Irre, entspannt...


Am BER angekommen wollte ich dann aber doch noch die ein oder andere typische Flughafenszene aufgreifen:


Busy busy. Handy am Ohr und als Abkürzung die "horizontalen Rolltreppen" genutzt. Gibt es für diese Art von Rolltreppen ein besseres bzw. treffenderes Wort? Sie ersetzen ja keine Treppen, sondern nur den Fußmarsch...


Flughafenszene - a Tribute to Mehrdad (von Qimago) 😉


noch ein Selfie und ab gehts


Um 18:45 Uhr ging es dann auch schon wieder nach Hause, diesmal mit brechendvollem Flugzeug und ganz schön unruhigem Flug. Letzteres hatte scheinbar nur ich so empfunden, da die übrigen Passagiere wirklich entspannt wirkten. Insbesondere das kleine Mädchen neben mir auf dem Sitz, das weder Start noch Landung mitbekommen hat und auch zwischendrin nur kurz zum trinken wach war... Nur meine Kamera wurde langsam aber sicher feucht von schwitzigen Händen, bei jeder kleinsten "Erschütterung" 😅. Natürlich ist auch der Flug gut gegangen,... wider erwarten 😜



Alles in allem ist der Tag vorbeigerannt und die Erfahrungen müssen sich erstmal setzen. Es wird sicherlich nicht der letzte Fototrip nach Berlin gewesen sein.


Next trip: Paris


oder Amsterdam


es gibt so viele Möglichkeiten 😎

edel - wie fein

©2023 von edel-photo. Erstellt mit Wix.com

bottom of page