top of page
Suche

Der Weg zum ersten Negativ

  • Autorenbild: Sven Edel
    Sven Edel
  • 18. Nov. 2023
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Okt. 2024

war nicht ganz so einfach, wie so oft beschworen... und vor dem ersten Ergebnis standen ein Wutausbruch und die Ernüchterung, dass doch noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Aber von vorn...

Das analoge Fotografieren packt mich seit gut 9 Monaten extrem. Mit dem Kauf der Leica M3 aus 1959 und dadurch der Möglichkeit meine vorhandenen Objektive der Digitalen auch an der Analogen zu nutzen, hat sich das analoge Fotografieren bei mir etabliert. Im Grunde bedienen sich die M3 und meine Digitale, die M10, identisch, d.h. Zeit, Blende und ISO, letzteres grundsätzlich auf Automatik oder eben durch den Film vorgegeben. So, genug Werbung für meine geliebten Ms 😍

Nachdem irgendwas zwischen 30 und 40 Filmen bei urbanfilmlab entwickelt wurden, stellt man sich zwangsläufig (nach kurzer Hochrechnungen der Kosten für diesen super hochwertigen und zuvorkommenden Service) die Frage: kann ich das nicht selber machen? Und wenn man ein wenig googelt, erhält man recht schnell die Antwort: ja, die SW-Entwicklung ist wohl recht easy; Farbe - der sogenannte C41-Prozess - jedoch nicht, da dieser sehr viel standardisierter ist und Temperaturen und Zeiten penibel eingehalten werden müssen. So das Hören-Sagen.

Somit war die Entscheidung getroffen und das "Analog Starterset" von Fotoimpex wurde bestellt. Im Warenkorb hatte es ja eh schon einige Male gelegen 😉

Kaum war das Paket angekommen, wurde Bestandsaufnahme gemacht:

  • Paterson Filmtank mit zwei Spulen

  • Adox Entwickler, Fixieren und Netzmittel

  • Thermometer

  • Messbecher in 1.000ml und 25ml

  • Wechselsack (nicht im Set enthalten)

  • belichteter Film, um das Aufspulen zu üben


Ich meine, das war es. Freitagabends kam das Paket an und bis Sonntagabend wurde sicherlich 25 Male das Aufspulen des Films auf die Spule geübt, natürlich auch und vor allem im Wechselsack, da dieser Vorgang in völliger Dunkelheit geschehen muss. Das lief auch echt gut. Die ersten zwei, drei Versuche waren Murks, dann klappte es durchweg. Somit war dann der Termin zur ersten Filmentwicklung für Montagmorgen geplant; wohl der Grund meines Scheiterns. Ich wollte zu viel, zu früh, in zu viel Hektik. So saß ich am Montag(früh)morgen an meinem Schreibtisch und der "echte" Film wollte und wollte nicht auf diese doofe Spule drauf. So eierte ich also sicherlich 15 Minuten rum und es tat sich nichts. Statt aufzugeben und es wann anders nochmal zu versuchen, kam meine Ungeduld durch und von Minute zu Minute wurde ich von der Spule persönlich angegriffen, dass der Film nicht darauf wollte 🤬. To make a long Story short: der Wechselsack und die Entwicklerdose sollten diesen 1. (Fehl-)Versuch nicht überleben.

Das war also mein Start in die Woche 😠😑 Meine Frau wusste im Übrigen direkt, woran ich gescheitert war: meine Ungeduld...

Sollte das Thema "Film selbst entwickeln" so schnell wieder ad acta gelegt werden? Im Hinterkopf hingen noch die Sätze "wirst schon sehen, ist viel einfacher als man denkt" usw. Ehrlich? Ich war ein wenig geknickt. Derart ungeschickt bin ich doch garnicht.

Auch wenig im Büro konnte ich das Thema nicht ganz hinter mir lassen und fasste den Entschluss: ich versuche es nochmal, aber auf anderem Wege. Und zwar mit einer Lösung, die ich zufällig in irgendeinem YouTube-Video entdeckt hatte. Die Lab-Box. Hier spart man sich die Arbeit mit und im Wechselsack. Die Kröte, die man schlucken muss? Es kann nur ein Film gleichzeitig entwickelt werden.


Der Film wird im (hier) linken Teil eingesetzt und über einen Zugmechanismus mit Hilfe der orangen Kurbel auf eine Spule gedreht. Auf der rechten Seite wird dann die Chemie / das Wasser eingefüllt. Ein wirklicher Problemlöser dieses kleine Teil. Toll!

Um auch den nächsten Schritt, die Entwicklung und Fixierung für den Start so einfach wie möglich zu machen, wurde auf ein Monobad zurückgegriffen. Dieses wird 50 / 50 gemischt und vereinigt die beiden Schritte Entwickeln und Fixieren. Einfach starten und wenn Routine da ist, kann man es natürlich optimieren. Step by step. Das habe ich nach ein paar Jahren des "Chef seins" gelernt und lässt sich nur schwierig mit meiner Ungeduld in Deckung bringen 🙄.

Ein Nachteil des Monobades ist, dass die Temperatur von 24 Grad recht exakt getroffen werden muss. Bei mir waren es wenige Minuten vor Beginn der Entwicklung abgelesene 25 Grad. Hier habe ich mich mal auf die Aussage verlassen, dass die Entwicklung von SW-Film unkritisch sei.

Einen Gag hatte ich noch mit dem Netzmittel erlebt. 30 Tropfen auf 300ml Wasser. Klar kein Thema. 30 Tropfen? Da gehe ich mal naiv davon aus, dass dies wie bei einigen Medikamenten auch nur tröpfchenweise aus dem Fläschchen kommt... Pustekuchen. Ein ganzer Schwall Netzmittel ging ins Wasser. Geschätzt irgendwas zwischen 15 und 50 Tropfen. Darauf lies ich es jetzt ankommen und goss das mit Netzmittel gepimpte Wasser in die Lab-Box. Kurz darauf hieß es noch einige Minuten Wässern... Die Aufregung stiegt, ob sich die Arbeit gelohnt hat. Gedanklich wurden nochmal alle Schritte durchgegangen. Ne, nix vergessen, Zeit und Temperatur hatte ganz gut gepasst. Also wird die Lab-Box geöffnet, die Kurbel entfernt, damit die Spindel mit dem sich hoffentlich darauf befindlichen Film entnommen werden kann. Und dann: ja, es sind Bilder auf dem Film zu sehen...


YES! WIE GEIL IST DAS DENN?


eindeutig Bilder, Belichtung scheint zu passen - jetzt heißt es trocknen


tags drauf wird "gescannt" bzw. vielmehr mittels Makro-Adapter abfotografiert

Und nach dem Abfotografieren wird archiviert:: "die ersten selbst entwickelten Bilder", Datum: 17.11.2023 - ich bin ein wenig stolz 🤓


Im Anschluss werden die Bilder mittels SmartConvert, einem Tool des Filmomat konvertiert. Sehr einfach und auch für absolute Neulinge in dem Bereich machbar.

Und tada, hier sind die ersten Bilder, aufgenommen mit meiner Leica MP, 35mm Summilux FLE und dem Kentmere 400. Zur Kamera selbst muss man sagen, dass diese, also der Body, für die Analogfotografie eine nur untergeordnete Rolle spielt. Diese muss ja nicht mehr machen als das Licht für den richtigen Zeitraum auf den Film lassen. Da sind das Objektiv und der Film, letzterer ist ja im Grunde der Sensor, sehr viel wichtiger. Der hier verwendete Kentmere 400 ist ein äußerst günstiger Film mit stark "analogem" Look, wenn man damit dessen Unzulänglichkeiten beschreiben will. Für den ersten Freischuss war der Film genau richtig. Wenn nun etwas Routine im Entwicklungsprozess vorhanden ist, werde ich mich auch mal an einen Ilford PanF, HP5+ oder auch Kodak T-Max oder Tri-X wagen.

Bis dahin, hier die ersten selbst entwickelten Bilder:


unser Mops Nemo muss immer herhalten 😉



Tennisplatz in Eitelborn- Feld Nr. 2



Ist dies nicht ein wahnsinnig buntes SW-Bild?



(Un)Schärfe

obligatorische Spiegel-Selfie ✅

Und dann kam die Frage aller Frage von meiner Göttergattin: Und, hat sich das gelohnt?

Tja, gute Frage,... Wobei, so gut ist die Frage eigentlich nicht. Ne. Es ist sogar eine komplett unsinnige, nahezu schwachsinnige Frage.

Nein! Es lohnt sich nicht!

Der Aufwand ist unnötig hoch und was die Bildqualität kann sicherlich schon das iPhone 3G mithalten.

Aber: es passt konsequent in den Prozess der analogen Fotografie und macht nicht viel weniger Spaß, wie schon die Aufnahme selbst. Das Gefühl, wenn man sieht, dass Bilder auf dem Negativ erscheinen ist toll. Es hat etwas schaffendes. Jedem, der gerne mal auf Film fotografiert, kann ich dies nur ans Herz legen 😊





edel - wie fein

©2023 von edel-photo. Erstellt mit Wix.com

bottom of page